Katzenimpfungen
Allgemeines
Katzen
müssen jedes Jahr gegen die wichtigsten Virusinfektionen geimpft werden. Das
behaupten jedenfalls die Hersteller der Impfstoffe und viele Tierärzte bei uns.
In Amerika wurde diese Impfpraxis in den letzten Jahren heftig diskutiert.
Zunehmend wird die Notwendigkeit der routinemäßigen jährlichen Auffrischung
bezweifelt. Sie sei wissenschaftlich nicht begründet, sagen die Kritiker. Vorläufiges
Ergebnis der Debatte waren neue Impfrichtlinien, nach denen inzwischen an den
meisten amerikanischen Hochschul-Veterinärkliniken verfahren wird. Sie
beinhalten, dass Katzen in der Regel nicht mehr jedes Jahr, sondern nur noch
alle drei Jahre geimpft werden sollen.
Bis
vor wenigen Jahren war man der Meinung, Impfungen schadeten nie. Auch wenn sie
vielleicht nicht nützen, stellen sie zumindest keine Gefahr dar. Inzwischen weiß
man es besser. Gravierende Impffolgen, vor allem die erschreckende Zunahme von
Fibrosarkomen, waren schließlich Auslöser der ganzen Debatte. Fibro-
beziehungsweise Impfsarkome sind bösartige Tumore, die sich bei Katzen durch
Entzündungen an der Einstichstelle entwickeln und die zum Tod führen können.
Man schätzt, dass zwischen 1 von 1.000 bis 1 von 10.000 geimpfte
Katzen daran erkranken.
Nicht
alle Impfstoffe sind für die Katze gleichermaßen gefährlich. Riskant sind vor
allem Leukose- und Tollwutimpfungen. Der deutliche Anstieg dieser
Sarkomerkrankungen, den wir bei uns verzeichnen müssen, ist in anderen Ländern
ausgeblieben. Tierärzte in den Niederlanden zum Beispiel sehen diese
Impfsarkome kaum, da dort üblicherweise nicht gegen Leukose und Tollwut geimpft
wird.
Impfungen
sind ein brisantes Thema. Das wurde kürzlich auch bei einem Tierärztekongress
in Düsseldorf deutlich, auf dem die gängige Impfpraxis bei uns erörtert
wurde. Trotz der bekannten Risiken und trotz der qualifizierten Argumente, die
in den USA zur Herausgabe neuer Impfrichtlinien geführt haben, tun sich hiesige
Experten immer noch schwer, eine pauschale Verlängerung der Impfintervalle zu
empfehlen. Offenbar hat niemand Interesse an verlängerten Impfintervallen.
Prof. Dr. Marian Horzinek von der tierärztlichen Fakultät der Universität
Utrecht zu den Gründen: „Es ist die wissenschaftliche Einsicht, die einem
sagt, es ist nicht notwendig, jährlich zu impfen. Man könnte mit längeren
Intervallen arbeiten, aber weder der Tierarzt, der gerne seinen Klienten einmal
pro Jahr sehen will, noch die Impfstoffwerke haben ein Interesse daran, weniger
häufig zu impfen.“
Impfkritiker vermuten, dass vor allem aus ökonomischen Gründen so häufig und
oft völlig unnötig geimpft wird. Immerhin erwirtschaftet eine
durchschnittliche Tierarztpraxis 30 bis 40 Prozent der Einnahmen aus
Impfungen.
Bevor die Katze geimpft werden soll,
muss sie gesund sein und parasitenfrei. Den Gesundheitszustand stellt der
Tierarzt fest. Ihre Katze sollte ca. 14 Tage vor der Impfung entwurmt werden.
Die wichtigsten Impfungen im Einzelnen
Welche Impfungen sind überhaupt notwendig und wie häufig müssen sie
verabreicht werden? Bei dieser Frage sind zunächst die so genannten Haupt- oder
Kernimpfungen und die optionalen Impfungen zu unterscheiden.
Hauptimpfungen
Katzenseuche (Parovirose oder
Panleukopenie) und Katzenschnupfen
Die Hauptimpfungen umfassen Katzenseuche und Katzenschnupfen. Gegen diese beiden
Krankheiten sollte jede Katze geimpft sein. Hier empfiehlt das neue Impfschema
aus den USA eine Grundimmunisierung im Welpenalter, eine Auffrischung mit einem
Jahr und alle drei Jahre eine weitere Auffrischung.
Optionale
Impfungen
Diese Impfungen sind nur für Katzen zu empfehlen, die einem wirklichen
Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
Tollwut
Diese Impfung ist für reine Wohnungskatzen überflüssig. Katzen allerdings,
die auf Katzenausstellungen gehen, die in einer Tierpension untergebracht oder
auf Auslandsreisen mitgenommen werden, müssen geimpft werden. Auch Freigänger,
die sich in gefährdeten Gebieten bewegen, sollten geimpft sein. Falls nämlich
ein ungeimpftes Tier in Tollwutverdacht gerät, muss es getötet werden. Um dies
zu verhindern, muss die ordnungsgemäße Impfung nachgewiesen werden, und die
sieht bei uns immer noch die jährliche Wiederholungsimpfung vor.
Gegen Tollwut empfehlen die neuen amerikanischen Impfrichtlinien eine
Erstimpfung der jungen Katze, dann die zweite mit einem Jahr und anschließend
nur noch alle drei Jahre eine Auffrischung. Noch ist in Deutschland ein
entsprechendes Dreijahres-Produkt nicht auf dem Markt, allerdings gibt es
mindestens einen Impfstoff, der zweijährigen Schutz bietet.
In den USA hat man übrigens kurzerhand einen Einjahres-Tollwut-Impfstoff zu
einem Dreijahres-Produkt umdeklariert, nachdem nachgewiesen werden konnte, dass
die selbe Substanz mindestens drei Jahre lang Immunschutz sichert.
FeLV
(Katzenleukose oder Katzenleukämie)
Eine Katze, die nur in der Wohnung gehalten wird, kann sich nicht mit FeLV
infizieren. Das Virus wird ausschließlich durch Kontakt zu anderen Katzen übertragen.
Reine Hauskatzen brauchen diese Impfung nicht. Sie sollte nur verabreicht
werden, wenn sie wirklich notwendig ist, denn gerade bei den FeLV-Impfungen gibt
es das Risiko, dass sich an der Einstichstelle ein Fibrosarkom entwickelt.
Die FeLV-Impfung sollten nur Freigänger bekommen oder Katzen, die Kontakt zu
FeLV-positiven Katzen haben. Grundsätzlich aber sollte der Kontakt mit einer
infizierten Katze vermieden werden. Eine FeLV-positive Katze in einem größeren
Bestand sollte immer von den Nichtinfizierten isoliert werden.
Wie häufig gegen FeLV geimpft werden sollte, darüber gehen die Meinungen der
Experten auseinander. Prof. Dr. Hans Lutz, Veterinärklinik der Uni Zürich,
empfiehlt für Freigänger eine Grundimmunisierung im Alter von neun und zwölf
Wochen, dann bis zum Alter von drei Jahren die jährliche Impfung und anschließend
längere Intervalle, abhängig davon, wie hoch der Infektionsdruck ist, dem die
Katzen ausgesetzt sind.
Je älter eine Katze ist, umso weniger empfänglich ist sie für die
FeLV-Infektion. Eine alte Katze sollte daher gar nicht mehr geimpft werden. Bei
ihr ist das Risiko, ein Impfsarkom zu entwickeln, größer als das Risiko, sich
mit dem Virus anzustecken.
FIP
(Feline infektiöse Peritonitits)
Sehr umstritten ist die FIP-Impfung (nicht zu verwechseln mit FIV - Feline
Immundefizienzvirus oder Katzen-Aids). Viele Wissenschaftler sind von der
Wirksamkeit des Impfstoffes nicht überzeugt und raten deshalb von der Impfung
ab. Die Expertengruppe, die die neuen Impfrichtlinien in den USA ausgearbeitet
hat, konnte sich in diesem Fall nicht auf eine gemeinsame Empfehlung einigen.
Auf dem jüngsten veterinärmedizinischen Kongress in Düsseldorf hat
FIP-Experte Prof. Niels Pedersen von der University of California ein
eindeutiges Statement abgeliefert: Er halte die FIP-Impfung zwar für absolut
harmlos, aber auch für völlig überflüssig und reine Geldschneiderei.
Fazit
Während US-Forscher bereits über lebenslangen Immunschutz mit nur einer
Impfung nachdenken, wird bei uns immer noch die jährliche Impfung propagiert.
Viele Impfungen werden auch verabreicht, obwohl sie im Einzelfall (zum Beispiel
bei reinen Hauskatzen) völlig überflüssig sind. Es scheint schwierig, diese
Praxis zu revidieren.
Oft
sind es aber auch die Katzenbesitzer, die auf die gesamte Impfpalette bestehen.
Sie wollen das Bestmögliche und glauben: viel hilft viel. Diese Haltung wird
durch die Zunahme der Kombinationspräparate noch gefördert. Sie suggerieren
„viel Impfschutz mit nur einem Pieks“.
Prof. Horzinek sieht diese Entwicklung sehr kritisch: „Das Problem der ganzen
Impferei ist darin zu sehen, dass es keine Impfstoffe mehr gibt, die nur aus
einer Komponente bestehen. Oder nur sehr wenige, sollte ich sagen. Und wenn man
eben einen Dreifachimpfstoff injiziert, wovon die eine Komponente eine
lebenslange Immunität zur Folge hat, die andere aber nur eine einjährige, dann
ist man immer gezwungen, diejenige Komponente als maßgeblich zu nehmen, die die
kürzeste Immunitätsdauer zur Folge hat.“
Um
einerseits für ausreichenden Immunschutz zu sorgen, andererseits aber unnötige
Impfungen zu vermeiden, wäre es wünschenswert, dass jedes Tier ein maßgeschneidertes
Impfprogramm bekommt. Was es dabei zu bedenken gilt, sollte in einem ausführlichen
Informationsgespräch mit dem Tierarzt erörtert werden, der in diesem Punkt
hoffentlich auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand ist.
Stand: 28.03.2004